Flugangst bei Kindern – wie Eltern richtig helfen können

Flugangst betrifft nicht nur Erwachsene. Auch Kinder können vor oder während einer Flugreise plötzlich Angst entwickeln – manchmal sogar, obwohl frühere Flüge völlig problemlos waren.

Für Eltern ist das oft schwierig: Soll man beruhigen, ablenken, die Angst ignorieren oder dem Kind möglichst genau erklären, was beim Fliegen passiert?

Aus meiner Erfahrung als Pilot und Flugangst-Coach ist vor allem eines wichtig: Kinder sollten mit ihrer Flugangst ernst genommen werden, ohne die Angst dadurch noch grösser zu machen.

Warum haben Kinder Flugangst?

Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Manche Kinder fürchten sich vor Turbulenzen oder ungewohnten Geräuschen. Andere haben Angst vor der Höhe, einem möglichen Absturz oder davor, im Flugzeug nicht einfach aussteigen zu können.

Manchmal entsteht die Angst auch durch etwas, das ein Kind gesehen oder gehört hat – beispielsweise einen Bericht über einen Flugunfall, ein Video in sozialen Medien oder eine Unterhaltung zwischen Erwachsenen.

Und Kinder beobachten ihre Eltern sehr genau. Ist Mama oder Papa beim kleinsten Wackeln angespannt, kann ein Kind daraus schliessen: Hier passiert gerade etwas Gefährliches.

Wissen kann Kindern Sicherheit geben

Kinder sind von Natur aus neugierig. Genau das lässt sich bei Flugangst nutzen.

Warum kann ein Flugzeug überhaupt fliegen? Was sind Turbulenzen? Warum verändern sich die Geräusche nach dem Start? Was machen die Piloten bei schlechtem Wetter? Und kann ein Flugzeug eigentlich auch mit nur einem Triebwerk weiterfliegen?

Wer solche Fragen altersgerecht beantwortet, macht aus etwas Unbekanntem etwas Verständliches.

Und was wir verstehen, macht uns meistens deutlich weniger Angst.

Turbulenzen fühlen sich gefährlicher an, als sie sind

Gerade Turbulenzen gehören zu den häufigsten Auslösern von Flugangst – auch bei Kindern.

Dabei sind Bewegungen des Flugzeugs in turbulenter Luft zunächst einmal etwas völlig Normales. Moderne Verkehrsflugzeuge sind für die dabei auftretenden Belastungen konstruiert. Piloten versuchen stärkere Turbulenzen vor allem deshalb zu vermeiden, weil wir unseren Passagieren einen möglichst angenehmen Flug ermöglichen möchten.

Für ein Kind kann schon ein einfacher Vergleich helfen: Ein Flugzeug bewegt sich in der Luft ähnlich wie ein Schiff auf Wellen. Es bewegt sich – aber diese Bewegung bedeutet nicht automatisch Gefahr.

Was Eltern besser nicht sagen sollten

Sätze wie „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ oder „Es passiert garantiert nichts“ sind gut gemeint, helfen aber häufig wenig.

Für das Kind ist die Angst in diesem Moment real.

Hilfreicher ist beispielsweise:

„Ich verstehe, dass sich das gerade komisch anfühlt. Das Wackeln nennt man Turbulenz. Das Flugzeug ist dafür gebaut und für die Piloten ist das etwas ganz Normales.“

Damit wird die Angst nicht abgestritten, sondern verständlich eingeordnet.

Vorbereitung beginnt schon vor dem Flug

Idealerweise beschäftigt man sich nicht erst mit Flugangst, wenn das Flugzeug bereits auf der Startbahn steht.

Kinder können sich spielerisch auf eine Flugreise vorbereiten: gemeinsam den Flug verfolgen, Bilder des Flugzeugs anschauen, über den Ablauf am Flughafen sprechen oder offene Fragen sammeln.

Je besser ein Kind weiss, was es erwartet, desto weniger Raum bleibt für beängstigende Vorstellungen.

Wenn die Flugangst den Familienurlaub bestimmt

Problematisch wird Flugangst spätestens dann, wenn ein Kind bereits Tage oder Wochen vor einer Reise schlecht schläft, immer wieder über einen möglichen Absturz spricht oder am liebsten gar nicht mehr fliegen möchte.

Dann lohnt es sich, die Angst gezielt anzugehen.

Genau dafür habe ich mein Kinder-Flugangstseminar am Flughafen Zürich entwickelt. Es richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche von 9 bis 16 Jahren.

Als Airline-Kapitän und Flugangst-Coach erkläre ich den Kindern altersgerecht, wie ein Flugzeug funktioniert, was Turbulenzen wirklich sind, welche Geräusche völlig normal sind und was Piloten tun, wenn einmal etwas nicht nach Plan läuft.

Das Wichtigste dabei: Die Kinder dürfen ihre eigenen Fragen stellen – auch diejenigen, die sie sich vielleicht bisher nicht zu stellen getraut haben.

Denn hinter Flugangst steckt häufig nicht das Fliegen selbst, sondern die Unsicherheit darüber, was gerade passiert.

Es geht deshalb nicht darum, einem Kind einzureden, dass es keine Angst haben darf. Es soll verstehen, warum es keine Angst haben muss.

Eine Begleitperson nimmt ebenfalls am Seminar teil. So lernen auch Eltern, wie sie ihr Kind beim nächsten Flug unterstützen können, ohne die Angst unbewusst zusätzlich zu verstärken.

Kinder-Flugangstseminar am Flughafen Zürich

Für Kinder und Jugendliche von 9 bis 16 Jahren
CHF 250.– pro Kind
CHF 99.– pro Begleitperson

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Mein Tipp an Eltern

Versuchen Sie nicht, Ihrem Kind die Angst einfach auszureden. Helfen Sie ihm stattdessen, das Fliegen zu verstehen.

Aus Unsicherheit kann Wissen entstehen. Aus Wissen entsteht Vertrauen. Und aus Vertrauen vielleicht sogar Vorfreude auf den nächsten Flug.

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