Flugangst beim Start: Warum sie gerade beim Abheben so stark ist
Der Start ist für viele Menschen mit Flugangst der schwierigste Moment einer Flugreise. Das Flugzeug beschleunigt, die Triebwerke werden laut, der Körper wird in den Sitz gedrückt und kurz nach dem Abheben verändern sich Geräusche und Bewegungen.
Als Pilot und Flugangst Coach erlebe ich immer wieder, dass gerade diese völlig normalen Abläufe Ängste auslösen. Dabei hilft es oft schon zu verstehen, was beim Start eines Flugzeugs tatsächlich passiert.
Warum macht der Start besonders Angst?
Beim Start passieren innerhalb weniger Minuten sehr viele Dinge gleichzeitig. Unser Gehirn reagiert besonders aufmerksam auf ungewohnte Geräusche, Bewegungen und Beschleunigungen.
Hinzu kommt der Kontrollverlust: Im Auto können wir viele Bewegungen und Geräusche einordnen. Im Flugzeug fehlt dieses Wissen häufig und unser Gehirn interpretiert Unbekanntes schnell als mögliche Gefahr.
Warum werden die Triebwerke plötzlich leiser?
Eine der häufigsten Fragen in meinen Flugangstseminaren lautet: „Warum werden die Triebwerke kurz nach dem Start plötzlich leiser?“
Das ist völlig normal. Für den Start wird eine entsprechend hohe Triebwerksleistung benötigt. Im Steigflug kann diese reduziert werden. Das veränderte Geräusch bedeutet also nicht, dass etwas mit den Triebwerken nicht stimmt.
Warum fühlt es sich an, als würde das Flugzeug absacken?
Auch dieses Gefühl kennen viele Menschen mit Flugangst. Tatsächlich steigt das Flugzeug in diesem Moment normalerweise weiter.
Unser Körper nimmt Veränderungen der Beschleunigung jedoch sehr deutlich wahr. Wird beispielsweise die Triebwerksleistung reduziert oder verändert sich die Steigrate, kann sich das subjektiv wie ein kurzes Absinken anfühlen.
Was sind die Geräusche nach dem Abheben?
Kurz nach dem Start wird das Fahrwerk eingefahren. Je nach Sitzposition kann man diesen Vorgang deutlich hören und teilweise auch spüren.
Später werden die für den Start benötigten Klappen schrittweise eingefahren. Auch dadurch verändern sich Geräusche und Bewegungen.
Für die Cockpitcrew sind all diese Vorgänge vollkommen normale Bestandteile jedes Fluges.
Was hilft gegen Flugangst beim Start?
Versuche, ungewohnte Wahrnehmungen nicht automatisch als Gefahr zu interpretieren. Ein leiser werdendes Triebwerk, ein mechanisches Geräusch oder eine Veränderung der Beschleunigung sind zunächst einmal normale Bestandteile eines Starts.
Genau deshalb kann Wissen bei Flugangst so hilfreich sein: Was ich verstehe und einordnen kann, macht mir häufig weniger Angst.
In meinen Flugangstseminaren verbinde ich deshalb meine langjährige Erfahrung als Linienpilot mit konkreten Strategien gegen Flugangst.
Denn das Ziel ist nicht, sich irgendwie durch den nächsten Flug zu kämpfen.
Das Ziel ist, zu verstehen, was passiert und wieder entspannter fliegen zu können.